Das ist ein wichtiger Unterschied zum Heldenrad. Während die Ausprägung zeigt, wie typisch ein bestimmtes Verhalten für dich ist, zeigt die Heldenenergie, wie dieses Verhalten auf dich wirkt.
Was bedeutet eine hohe Heldenenergie?
Du kannst dabei das Gefühl haben, dass dir eine Tätigkeit Energie gibt. Das bedeutet nicht unbedingt, dass sie immer mühelos ist – auch etwas Anspruchsvolles kann dir Energie geben, wenn es gut zu dir passt. Ein hoher Energiewert bedeutet deshalb nicht „Das kann ich besonders gut“, sondern: „Diese Art zu denken oder zu handeln tut mir eher gut und kann mich energetisieren.“
Was bedeutet eine niedrige Heldenenergie?
Auch hier gilt: Ein niedriger Wert bedeutet nicht, dass du dieses Verhalten nicht kannst – du kannst darin sogar sehr kompetent sein. Es kann aber sein, dass du dafür mehr innere Anstrengung brauchst und dich danach eher erschöpft fühlst. Ein niedriger Energiewert bedeutet deshalb nicht „Das liegt mir nicht“, sondern eher: „Diese Art von Verhalten kostet mich auf Dauer mehr Kraft.“
Ein einfaches Beispiel
Angenommen, dein Strategist ist stark ausgeprägt – du bist also sehr gut darin, zu planen, zu strukturieren und Ordnung in komplexe Situationen zu bringen. Gleichzeitig ist deine Energie beim Strategist eher niedrig. Dann könnte das bedeuten: Du kannst sehr gut strukturieren, aber dauerhaftes Planen, Organisieren und Kontrollieren kostet dich viel Energie. Vielleicht hast du diese Fähigkeit über Jahre entwickelt oder brauchst sie oft im Beruf – das macht sie aber nicht automatisch zu einer Energiequelle.
Umgekehrt: Dein Innovator ist vielleicht etwas weniger stark ausgeprägt, seine Energie ist bei dir aber sehr hoch. Du arbeitest im Alltag nicht ständig kreativ – aber wenn du die Gelegenheit bekommst, merkst du: „Das macht mir Spaß. Dabei werde ich wach. Das gibt mir Energie.“
Ausprägung und Energie sind zwei verschiedene Dinge
Die Energie fragt: „Wie wirkt dieses Verhalten auf mich?“
Aus dieser Unterscheidung entstehen vier grundlegende Kombinationen:
„Das bin ich – und es tut mir gut.“
Diese Verhaltensweisen liegen dir nahe und geben dir gleichzeitig Energie. Hier können besonders natürliche Stärken liegen.
„Das mache ich häufig – aber es kostet Kraft.“
Stark entwickelt durch Beruf, Verantwortung oder Erfahrung. Dauerhaft eingesetzt können sie dennoch anstrengend sein.
„Das nutze ich selten – aber es tut mir gut.“
Hier können interessante Entwicklungsmöglichkeiten liegen: Seiten, die bislang wenig Raum bekommen, obwohl sie dir Energie geben.
„Weniger typisch – und eher kraftraubend.“
Das heißt nicht, dass du dieses Verhalten vermeiden solltest. Aber ein längerer Einsatz kann für dich besonders anstrengend sein.
Energie ist nicht gleich Freude
Heldenenergie bedeutet nicht einfach „Was macht mir Spaß?“. Ein Verhalten kann herausfordernd oder anstrengend sein und dir trotzdem Energie geben. Ein Explorer kann große Freude daran haben, sich in eine neue Situation zu begeben – die gleichzeitig Unsicherheit mit sich bringt. Trotzdem kann er danach denken: „Das war intensiv – aber jetzt fühle ich mich lebendiger.“ Umgekehrt können manche Tätigkeiten angenehm erscheinen und trotzdem wenig Energie geben.
Energie kann vom Alltag beeinflusst werden
Unsere Heldenenergie ist nicht völlig losgelöst von unserer Lebenssituation. Beruf, Familie, Rollen und Gewohnheiten beeinflussen, welche Seiten wir häufig einsetzen. Vielleicht verlangt dein Beruf viel Commander- oder Strategist-Verhalten – du kannst darin erfahren und erfolgreich sein. Wenn diese Verhaltensweisen aber viel Energie kosten, kann eine dauerhafte Überbeanspruchung belastend werden. Umgekehrt bekommen energiegebende Seiten im Alltag oft kaum Raum.
Sondern mit der Frage: „Ist mein Alltag so gestaltet, dass meine Energiequellen ausreichend Raum bekommen?“
Warum ist die Heldenenergie wichtig?
Die Heldenenergie ergänzt das Heldenrad um eine entscheidende Perspektive. Das Heldenrad zeigt vor allem: So verhalte ich mich typischerweise. Die Heldenenergie zeigt zusätzlich: So wirkt dieses Verhalten auf mich. Dadurch werden Fragen sichtbar wie:
- Welche Seiten von mir geben mir besonders viel Energie?
- Welche Verhaltensweisen kosten mich auf Dauer Kraft?
- Nutze ich meine Energiequellen im Alltag ausreichend?
- Muss ich im Beruf dauerhaft Verhaltensweisen einsetzen, die mich viel Energie kosten?
- Gibt es Seiten von mir, denen ich mehr Raum geben sollte?
Heldenenergie ist keine Bewertung
Auch hier gilt: Ein hoher Wert ist nicht besser als ein niedriger. Ein niedriger Energiewert ist kein Defizit – manche Verhaltensweisen kosten uns schlicht mehr Energie als andere, das ist normal. Auch im Leben können wir nicht ausschließlich Dinge tun, die uns Energie geben. Manchmal müssen wir organisieren, entscheiden, analysieren oder Verantwortung übernehmen, obwohl es uns Kraft kostet.
Sondern: „Wie bewusst gehe ich mit meiner Energie um?“
Das Ziel: deine persönliche Energiebalance verstehen
Die Heldenenergie schreibt dir nicht vor, wie du dein Leben gestalten musst. Sie hilft dir zu verstehen, warum bestimmte Tätigkeiten unterschiedlich auf dich wirken. Vielleicht gibt es Aufgaben, die du hervorragend meisterst und die dich trotzdem erschöpfen. Und vielleicht andere, denen du bisher wenig Bedeutung gegeben hast, bei denen du aber merkst: „Davon hätte ich gerne mehr.“ Genau diese Unterschiede macht die Heldenenergie sichtbar.